Digitalisierung

    Umstieg auf die digitale Ackerschlagkartei: Anleitung von Papier & Excel

    Von Papier oder Excel zur digitalen Ackerschlagkartei: Schlagdaten aus iBALIS oder FIONA vorbereiten, importieren und sofort Zeit bei der Düngebedarfsermittlung sparen.

    9 Min.Lesezeit
    AckerschlagkarteiDigitalisierungiBALISFIONADüngebedarfsermittlung

    Die meisten Betriebe führen ihre Schlagaufzeichnungen noch auf Papier oder in einer über Jahre gewachsenen Excel-Tabelle. Das funktioniert – bis die Prüfung kommt, ein Blatt fehlt oder die Düngebedarfsermittlung wieder von Hand nachgerechnet werden muss. Der Umstieg auf eine digitale Ackerschlagkartei ist kein Großprojekt: Wer die Schlagdaten einmal saubermacht und aus dem Landesportal exportiert, ist an einem Vormittag durch.

    01Schritt 1: Schlagdaten aus dem Landesportal exportieren

    Die belastbarste Datenquelle ist der Agrarantrag. Dort liegen Feldstücke, Teilflächen, amtliche Flächengrößen, Nutzungscodes und Geometrien – genau das, was die digitale Schlagkartei braucht. Je nach Bundesland heißt das Portal anders, der Weg ist aber immer gleich: anmelden, Flächenverzeichnis öffnen, Export starten.

    BundeslandPortalEmpfohlenes Exportformat
    BayerniBALISShapefile (ZIP) + Flächenverzeichnis als CSV/PDF
    Baden-WürttembergFIONAShapefile (ZIP) oder GeoPackage + Nutzungsnachweis CSV
    Niedersachsen / BremenANDIShapefile (ZIP)
    NRWELAN-NRWShapefile (ZIP)
    Andere Länderjeweiliges AntragsportalShapefile oder GeoJSON
    1. Im Portal das aktuelle Antragsjahr wählen – ältere Jahre nur, wenn Sie die Historie mit übernehmen wollen.
    2. Flächen- bzw. Nutzungsverzeichnis exportieren (Geometrie + Sachdaten).
    3. ZIP nicht entpacken und umbenennen – die enthaltenen .shp/.dbf/.prj-Dateien müssen zusammenbleiben.
    4. Zusätzlich das Flächenverzeichnis als CSV oder PDF sichern: darin stehen Nutzungscodes und amtliche Größen als Kontrollwert.

    02Schritt 2: Daten vor dem Import aufräumen

    • Doppelte Schläge zusammenführen: Tauschflächen und aufgegebene Pachtflächen vorher markieren, nicht importieren.
    • Einheitliche Schlagnamen wählen (z. B. „Am Bach 1“ statt „AmBach1“, „Bach I“) – sie sind später der Schlüssel für Aufzeichnungen und Auswertungen.
    • Flächengrößen auf zwei Dezimalstellen und in Hektar bringen; Ar/Quadratmeter vorher umrechnen.
    • Nutzungscodes prüfen: Codes wie 424 (Grasanbau) müssen auf die richtige Kultur gemappt werden, sonst stimmt später der N-Bedarfswert nicht.
    • Pacht- und Eigentumsstatus je Schlag notieren – das spart die Nacharbeit bei Pachtverträgen.

    03Schritt 3: Import in hofmanager+

    1. In hofmanager+ auf „Flächen“ gehen und den Import öffnen.
    2. Für Bayern/Baden-Württemberg den iBALIS- bzw. FIONA-Import wählen – Nutzungscodes werden automatisch auf Kulturen übersetzt.
    3. Für alle anderen Portale den allgemeinen Shape-Import nutzen (Shapefile-ZIP oder GeoJSON, ANDI und ELAN inklusive).
    4. In der Vorschau Spalten zuordnen: Schlagname, Fläche, Kultur, Feldstück-/Teilflächennummer.
    5. Import bestätigen – die Schläge erscheinen mit Geometrie auf der Karte, die Karte zoomt direkt auf den Betrieb.
    6. Stichprobe: drei Schläge gegen das Flächenverzeichnis prüfen (Größe und Kultur).

    04Schritt 4: Historie übernehmen – so viel wie nötig

    Papierordner müssen nicht abgetippt werden. Aufbewahrungspflichtige Altaufzeichnungen bleiben im Ordner; digital erfasst wird ab dem Umstiegsdatum. Sinnvoll ist es aber, drei Dinge nachzutragen: die letzten Bodenuntersuchungen (Pflicht alle sechs Jahre), die Vorfrucht des laufenden Jahres und bereits erfolgte Düngungs- sowie Pflanzenschutzmaßnahmen des aktuellen Wirtschaftsjahres. Damit sind Düngebedarfsermittlung und Nährstoffbilanz sofort rechnungsfähig.

    05Schritt 5: Der eigentliche Zeitgewinn – Düngebedarf und Nachweise

    • Düngebedarfsermittlung: N-Bedarfswerte, Zu- und Abschläge, Nmin-Werte und Vorfruchtabzüge werden je Schlag berechnet statt in Excel nachgebaut – inklusive Revisionsstand vor der ersten Düngung.
    • Aufzeichnung innerhalb von zwei Tagen: Maßnahmen werden direkt am Schlag erfasst, auch mobil auf dem Feld ohne dauerhafte Verbindung.
    • Nährstoffbilanz und rote Gebiete: Der 20 %-Abschlag und Sperrfristen laufen als Regel mit und werden nicht vergessen.
    • Pflanzenschutz: Mittel, Aufwandmenge, Indikation und Wetterlage werden vollständig dokumentiert, Prüfung des Lagerbestands inklusive.
    • Behördenexport: Schlagbezogene Aufzeichnungen als PDF – ein Klick statt Kopierstapel.

    06Schritt 6: Team und Routine

    • Erfassen soll der, der die Maßnahme fährt – Mitarbeitende bekommen mobilen Zugang mit eingeschränkter Rolle.
    • Feste Routine: Maßnahme direkt nach der Fahrt buchen, nicht am Monatsende.
    • Einmal im Quartal Plausibilitätsblick: fehlende Aufzeichnungen, offene Bodenproben, Bilanzstand.

    Häufige Fragen

    Muss ich meine alten Papieraufzeichnungen digitalisieren?
    Nein. Altaufzeichnungen bleiben im Original aufbewahrungspflichtig (in der Regel sieben Jahre). Digital erfasst wird ab dem Umstiegsdatum; sinnvoll nachzutragen sind nur Bodenuntersuchungen, Vorfrucht und die Maßnahmen des laufenden Wirtschaftsjahres.
    Welches Exportformat aus iBALIS oder FIONA ist das richtige?
    Ein Shapefile-ZIP mit Geometrien und Sachdaten, ergänzt um das Flächenverzeichnis als CSV oder PDF. Das ZIP unverändert hochladen – die enthaltenen .shp-, .dbf- und .prj-Dateien müssen zusammenbleiben.
    Warum weicht die importierte Flächengröße von meinem Antrag ab?
    Aus der Geometrie berechnete Flächen weichen durch Projektion und Digitalisierungsgenauigkeit oft um wenige Ar ab. Maßgeblich für Düngebedarf und Nachweise ist die amtliche Größe aus dem Flächenverzeichnis – diesen Wert beim Import übernehmen.
    Was passiert mit Nutzungscodes wie 424?
    Sie werden beim iBALIS- und FIONA-Import automatisch auf die passende Kultur übersetzt, im Beispiel 424 auf Grasanbau. Beim allgemeinen Shape-Import ordnen Sie die Kultur in der Vorschau selbst zu.

    Schlagkartei in der Praxis statt in der Theorie

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